Und schon wieder ist in Kastelruth ein altes, schlicht-schönes Bauernhaus der Abrissbirne zum Opfer gefallen; es wird fehlen, im Dorfbild, wie viele andere alte Häuser auch, die ihm in der Vergangenheit sein ganz und gar unverwechselbares Gesicht, seinen Charme und Charakter geprägt hatten.


Damit ist’s wohl vorbei: Wir haben nämlich bald keine alten Häuser mehr. Die – im Vergleich – charakter- und seelenlosen Gebäude, die an ihrer Stelle stehen, sind zwar zumeist recht nett und hübsch anzusehen, aber halt eben auch nicht mehr als das. Ein glattes Gesicht hat nie viel zu erzählen. Natürlich ist ganz leicht zu verstehen, dass das Bewohnen dieser alten Häuser, das Leben in und mit ihnen nicht einfach ist; dass eine Sanierung und Anpassung an die täglichen Anforderungen eines modernen Haushaltes mitunter schwierig und aus reiner Bauherren-Hand wohl nur selten zu finanzieren ist; dass vielmehr ein Abbruch und Wiederaufbau sowohl unter finanziellen als auch „praktischen Aspekten“ sowohl einfacher als auch vernünftiger erscheinen mag.

Wobei auf dem Weg von "A" (= Alles-muss-so-bleiben-wie-es-ist) nach "B" ( = Abbruch) mit großer Sicherheit eine Vielzahl von Möglichkeiten liegt, die alte Bausubstanz mit hinein zu nehmen in das Neue.

Und: "Vernünftiges" ist selten interessant, "Praktisches" nie aufregend oder spannend und "Finanzielles" hat einfach arg wenig Charakter… Ich stelle mir manchmal vor, alle Menschen in der Vergangenheit hätten gedacht und gehandelt wie wir das heute tun: Was wäre wohl übrig von den Zeugen unserer Vergangenheit, unserer Kultur, von der Geschichte, der Arbeit und dem Leben unserer Ahnen? Vermutlich nur sehr Weniges.

Manchmal bin ich ein wenig besorgt um unsere Zukunft, wenn ich sehe, wie rücksichtslos wir mit unserer Vergangenheit umgehen: Wunderbare, "lebendige" Trockenmauern müssen "modernen" Betonmauern - durchsetzt mit ein paar Porphyrsteinen - weichen, weil es zu teuer und zu aufwändig ist, die alte Mauer zu erhalten; uralte Wege werden mit Zement oder Asphalt übergossen und darunter begraben, weil das die billigste und schnellste Lösung ist; ehrliche, klare Architektur muss "Modernität" - oder was man darunter versteht - weichen, weil ...

Ja, da kommt man schon ein wenig ins Grübeln, wenn man sieht, wie gering die Wertschätzung ist (auch auf allerhöchster Ebene) für diesen doch recht zentralen Aspekt unserer Kultur... und wie leichtfertig bis besinnungslos andererseits öffentliche Gelder ver(sch)wendet werden.

Nachtrag:

Geht doch! Es sieht ganz so aus, als wäre ich nicht die Einzige, die das rapide Verschwinden schöner, alter Bauernhäuser aus dem Orts- und Landschaftsbild bedauert: (Auch) Die Landesregierung macht sich offensichtlich Gedanken darüber.

Ich bin nun wahrlich kein großer SVP-Fan ;-) - aber: Ehre, wem Ehre gebührt.

Eine sehr schöne Idee (wenn auch bestimmt nicht die einzige zum Erhalt alter Bausubstanz!), diese "Magnificasa" aus der Schweiz und die unsere Landesregierung da aufgegriffen hat. Man darf gespannt sein. 

 

Aktualisiert (Sonntag, den 09. Mai 2010 um 09:57 Uhr)