Eine Thematik fehlt mir in der Diskussion zum „neuen Mezdì“-Projekt, und zwar jene der (zur Zeit) viel zitierten „Wertschöpfung“. Zwar darf man  davon ausgehen, dass auch dieser „Maßstab“ in spätestens ein paar Jahren und wie jeder andere Trend durch einen neuen ersetzt werden wird – nichtsdestotrotz verdient diese „Wertschöpfung“ durchaus eine nähere Betrachtung, vielleicht einmal anhand folgender Frage:
 

Wie wird sich wohl das Hoteldorf „Mezdì“ auf die „Wertschöpfung“ auswirken – und zwar nicht im Sinne der Unternehmer Sanoner, sondern vielmehr in jenem der Gemeinde? Natürlich ist es nicht Aufgabe noch Pflicht eines Unternehmers, an die Wertschöpfung auf Dorf- und/oder Gebiets- bzw. Gemeindeebene zu denken -  dafür ist nämlich die Gemeinde da: Die allerdings hat die Aufgabe und die Pflicht, das gemeinsame und allgemeine Wohl(-ergehen) über alle anderen, insbesondere private Interessen zu stellen… und jedes größere Projekt auf seine „Tauglichkeit“ auch in diesem Sinne zu überprüfen.

 

Im allgemeinen darf man wohl davon ausgehen, dass die umgebende Landschaft nur – wenn überhaupt - sehr am Rande profitiert von den  Gästen solcher Touristen- bzw. Hotel-„Ghettos“: Wir hören es z. B. aus St. Ulrich, wo zeitweise bis zu 500 (!) Menschen in den beiden größten Häusern mitten im Dorf wohnen sollen, 500 Menschen, die man aber im Dorf so gut wie gar nicht wahrnimmt. Wie auch? Sie haben ja alles, was sie brauchen und noch sehr viel mehr innerhalb ihrer Hotelmauern, und nicht nur das: Sie haben sehr oft auch (teuer) dafür bezahlt. Warum also sollten diese Gäste am Abend für einen Aperitiv in die nächstgelegene Bar schlendern? Auf diesem Wege vielleicht eine hübsche Auslage bemerken, und am nächsten Tag im dazugehörigen Geschäft etwas kaufen? Warum sollten sie mittags auf der Berghütte eine Mahlzeit einnehmen, wenn doch das Frühstück (im Hotel) so reichhaltig ist, dass es locker bis zum Abendessen (im Hotel) „vorhält“? Warum in das Beauty-/Massage- und Kosmetikstudio im Dorf gehen? Wozu den Kaffee/Kuchen/das Eis/den Digestiv an der Dorfbar einnehmen? Gibt’s ja alles im Hotel.

 

Nun ist natürlich die Seiseralm in einem gewissen Sinne „Wüste“ – insofern, als der „Mezdì“- oder „Sonne“- oder „Zallinger“-Gast, um nur ein paar Beispiele zu nennen, nur schwerlich am Abend in die Bar zum Aperitiv oder zu einem Zwischendurch-Shopping-Trip ins Dorf kann: Insofern sind die „all-in-und-all-inclusive“-Betriebe auf der Alm bis zu einem gewissen Punkt unvermeidlich. Allerdings sollte auch klar sein, dass jedes einzelne  dieser Hotelbetten dort oben sich sehr direkt, sehr unmittelbar und wohl eher ziemlich negativ auf die „Wertschöpfung“ v. a. der Dienstleistungsbetriebe – seien dies nun Geschäfte, Bars, Restaurants oder was auch immer – in den Dörfern auswirken wird.

 

Insofern ist die Genehmigung neuer und zusätzlicher Hotelbetten auf der Alm eine Gratwanderung, die sehr schnell zum Absturz führen kann. Auf jeden Fall aber wäre es wohl angebracht, den tatsächlichen – quantifizierbaren und geldwerten - Nutzen dieses und ähnlicher Projekte für die Gemeinde einmal eingehend zu überprüfen und/oder begutachten zu lassen. 

 

Ein Dorf, eine „Gemeinde“, das/die mittel- und langfristig überleben will, verträgt m. E. nur einen winzigkleinen Anteil dieser „all-in-und-all-inclusive“-Betriebe. Diese Hotel-Ghettos sind keine „Entwicklungen“, sondern vielmehr „Rückschritte“: Reisen kann und darf m. E. nicht auf „das Hotel“ reduziert werden.

 

(Silvia Rier)

 

Notabene: Das siehst Du aber gaaanz anders?! Und/oder Du hast ein paar Fakten beizutragen zu diesem Thema? Oder eine Idee einbringen? Oder möchtest einfach nur Deine Meinung sagen?!

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Aktualisiert (Mittwoch, den 12. Mai 2010 um 10:55 Uhr)